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Mein PJ-Tagebuch

Ich bin Arzt!

Unna, 12.12.2010 - Ich kann es immer noch kaum glauben, aber ich habe mein Studium erfolgreich abgeschlossen und bin seit Freitag ein echter Arzt! :-)

Am 3. Januar beginne ich im Evangelischen Krankenhaus Unna die Weiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, bis dahin werde ich meine freie Zeit geniessen.

Ich möchte euch herzlich für das Interesse an meinem Praktischen Jahr danken und schliesse mit diesem Eintrag mein PJ-Tagebuch.

Endspurt

Unna, 15.10.2010 - Nach meiner Rückkehr aus Texas habe ich die Welt gegen meinen Schreibtisch getauscht und mich auf das schriftliche Examen vorbereitet. Von Dienstag bis Donnerstag der vergangenen Woche bin ich mit etwa 160 anderen Medizinstudenten in der schummrig beleuchteten Stadthalle in Ratingen zum schriftlichen Examen angetreten. Die offiziellen Ergebnisse liegen mir zwar noch nicht vor, dank des Medizinstudentenportals Medi-Learn gibt es aber schon eine inoffizielle Auswertung der Examensfragen und laut dieser Auswertung habe ich bestanden.

Nun muss ich noch die mündliche Prüfung bestehen und bin dann nach all den Jahren ENDLICH Arzt! :-)

Vielen Dank allen Daumendrückern!

Mein PJ - Rückblick

Düsseldorf, 15.08.2010 - Etwa sieben Monate lang bin ich während meines Praktischen Jahres durch die Welt gereist, um neue Erfahrungen zu sammeln. In erster Linie habe ich dabei drei Ziele verfolgt:

1. Vertiefung meiner Englischkenntnisse. Nach meiner Schulzeit reichten meine Englischkenntnisse gerade einmal aus, um mich halbwegs auf englisch verständigen zu können. Ich war jedoch weit davon entfernt, fliessend auf englisch kommunizieren zu können. Heute beherrsche ich die englische Sprache fliessend in Wort und Schrift.

2. Gute Ausbildung. Ich denke nicht, dass meine Ausbildung im Ausland wesentlich besser als in Deutschland war, sie war aber vor allem anders. In Afrika konnte ich sehr selbstständig arbeiten, in Texas habe ich einen Einblick in die modernste Herzchirurgie bekommen. Seitdem ich das englische Gesundheitssystem kennengelernt habe, weiss ich das deutsche Gesundheitssystem sehr zu schätzen.

3. Fremde Menschen und Länder kennenlernen. Ich hatte viel Gelegenheit, meine PJ-Länder zu bereisen und habe in dieser Zeit viele interessante Menschen kennengelernt. Besonders Südafrika ist so vielseitig, dass in den acht Wochen keine Langeweile aufkam. Enttäuscht war ich von Houston, denn Texas habe ich als "big and boring" empfunden.

Insgesamt war das Praktische Jahr eine unvergessliche Zeit und die Entscheidung für einen Auslandsaufenthalt würde ich jederzeit wieder treffen. Eines habe ich aber auch gelernt: In Deutschland ist es doch am schönsten!

Back to Germany

Houston, 24.07.2010 - In Houston ist es gerade 9 Uhr morgens und in wenigen Minuten werde ich mein Zimmer an die Vermieterin zurückgeben.

Die verbleibende Zeit möchte ich nutzen, einen neuen Tagebucheintrag zu verfassen.

Rückblick: In den USA habe ich eine Menge interessanter Sachen erlebt und gesehen. Es war eine wundervolle Erfahrung, mit den besten Herzchirurgen in der Stadt zusammenzuarbeiten, in der auch der berühmte Herzchirurg Michael Ellis DeBakey tätig war. Nach sieben Wochen habe ich aber genug gesehen und gelernt, um guten Gewissens nach Hause zurückzukehren.

Die nächsten Wochen: Bis zu meinem Examen im Oktober werde ich nun den ganzen Stoff der letzten fünf Jahre wiederholen und lernen. Im Oktober schreibe ich das schriftliche Examen, anschliessend trete ich zur mündlichen Prüfung an. Nach bestandenem Examen möchte ich meine Fachweiterbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie beginnen.

Vorfreude: Im Moment freue ich mich einfach nur unheimlich, zurück nach Hause zu kommen, meine Familie und Freunde wiederzusehen und nicht zuletzt auf das leckere Begrüssungsessen, welches mir meine Mutter versprochen hat ;-)

Offiziell kein PJ'ler mehr!

Houston, 23.07.2010 - Nun ist es soweit: Ich halte auch die letzte Bescheinigung eines PJ-Abschnitts in den Händen und bin somit ab heute offiziell kein PJ'ler mehr.
Heute steht Koffer packen, Zimmer putzen und abends vielleicht noch ein Abschiedsbierchen mit den anderen Studenten auf dem Plan. Morgen fliege ich zurück nach Deutschland und am Sonntag Vormittag werde ich voraussichtlich im schönen Bergkamen ankommen.

Nach der Transplantation

Houston, 16.07.2010 - Normalerweise höre ich von den Patienten nach der Operation nichts mehr. Nach dem Patienten mit der Herztransplantation habe ich mich aber noch einmal erkundigt: Ihm geht es gut, und er ist auf dem besten Wege der Besserung.

Ein neues Leben über Nacht

Houston, 13.07.2010 - Nun bin ich 24 Stunden wach und eigentlich viel zu müde, einen neuen Tagebucheintrag zu verfassen. Bevor die Erinnerung verblasst, möchte ich dies jedoch tun, denn in der vergangenen Nacht habe ich zum ersten mal an einer Herztransplantation teilgenommen. Ich hoffe, dass ihr mir eventuelle Rechtschreibfehler vergebt! :-)

In chronologischer Reihenfolge liste ich die Ereignisse von gestern Vormittag bis jetzt auf.

14.27 Uhr: Ich habe Feierabend. Auf dem schwarzen Brett wird eine Herztransplantation angekündigt, die im weiteren Tagesverlauf stattfinden soll. Damit die Angehörigen des Spenders Gelegenheit zum Abschiednehmen haben, werden die Organe meist spät abends entnommen und im Laufe der Nacht verpflanzt. Ich gebe der OP-Schwester, die an diesem Tag Dienst hat, meine Telefonnummer.

20.23 Uhr: Bis jetzt hat niemand angerufen. Ich rufe in der Klinik an und erfahre, dass die OP etwa um 22 Uhr beginnen soll. Ich mache mich auf den Weg in die Klinik.

20.34 Uhr: Der nächste Bus kommt erst in einer knappen halben Stunde. Da ich nicht gerade der geduldigste Mensch bin, halte ich ein Taxi an, das gerade zufällig vorbei kommt.

20.46 Uhr: Ich treffe im Operationssaal ein. Der Patient ist kurz vor mir eingetroffen und schaut sich mit ängstlichem Blick im Operationssaal um.

20.52 Uhr: Ich checke kurz das schwarze Brett und stelle fest, dass noch eine zweite Herztransplantation für 3 Uhr morgens vorgesehen ist. An Schlaf ist in dieser Nacht also nicht mehr zu denken.

21.44 Uhr: Die Anästhesie ist noch immer mit der Vorbereitung des Patienten beschäftigt. Währenddessen zählt der 'Resident' ( = Assistenzarzt) die Drähte auf dem Röntgenbild, mit denen der Brustkorb des Patienten bei seiner letzten Herzoperation verschlossen wurde. Schliesslich will man keinen Draht vergessen. Nun erfahre ich auch mehr über die Krankengeschichte des Patienten, der aufgrund eines chronischen Herzversagens ein neues Herz benötigt. Vermutlich wird die Operation aufgrund der Voroperationen nicht einfach.

22.22 Uhr: Anruf des Entnahmeteams: Das Herz wurde gerade entnommen. Ab jetzt läuft die Uhr.

22.27 Uhr: Beginn der Operation. Der Brustkorb wird eröffnet und das Herz freipräpariert. Die Bedenken des Residents waren begründet, es scheint eine schwierige Operation zu werden. Im OP herrscht die für nächtliches Arbeiten typische betriebsame Stille.

0:14 Uhr: Erneuter Anruf: Der Flieger mit dem Herz an Bord ist in Houston gelandet. Die Zeit rennt, das alte Herz des Patienten ist aber noch lange nicht für die Entnahme bereit.

0:26 Uhr: Das Spenderherz erreicht den OP. Der Empfänger ist aber noch nicht bereit für die Implantation. Sechs Stunden ist das Zeitfenster von der Entnahme bis zum ersten Herzschlag im Empfänger. Gut zwei Stunden sind erst vergangen, kein Grund zur Sorge.

1:00 Uhr: Exakt um ein Uhr morgens wird das alte Herz entnommen und die Implantation des neuen Herzens kann beginnen. Es müssen nun vier grosse Gefässe mit dem Herzen vernäht werden.

2:15 Uhr: Länger als ich gedacht habe, hat die Implantation gedauert. 3 Stunden und 53 Minuten nach der Entnahme beginnt das Spenderherz nun im Empfänger zu schlagen. Das gesamte OP-Personal atmet auf, die Operation ist aber noch lange nicht zu Ende. Es müssen noch die vielen Blutungen gestillt werden, die während der OP aufgetreten sind.

4:28 Uhr: Mittlerweile merke ich, wie meine Konzentration nachlässt und die Stimmung am OP-Tisch wird angespannter. Ich versuche mich aufzuraffen, denn die Operation nähert sich nur ganz zögerlich ihrem Ende.

6:17 Uhr: Der Operateur ist noch nicht zufrieden, aber vorerst ist die Operation beendet. Im Laufe des Tages oder am nächsten Tag wird der Patient erneut operiert, um zu sehen, ob es wirklich keine Blutungen mehr gibt. Bis dahin wird der Patient auf der Intensivstation betreut, die direkt an den OP angrenzt.

7:55 Uhr: Ich bin wieder zu Hause. Nun gehe ich ins Bett und träume davon, selbst einmal ein grosser Chirurg zu werden.

Fastfood, Fussball und Hurricans

Houston, 06.07.2010 - Während Deutschland im Fussballfieber steckt, ist in Texas von der WM kaum etwas zu spüren. Die deutschen Studenten am THI kann das jedoch nicht abschrecken, für uns zählt morgen zur Mittagszeit nur eins: "Schlaaaand"!!

Am vergangenen Wochenende haben wir einen Ausflug gemacht, San Antonio und Austin waren unsere Ziele. Auch wenn die Städte sehr sehenswert sind und vor allem in Austin auf der 6th Street die Nacht mit Livemusik und einer regen Kneipenszene zum Tag gemacht wird, sind sich die Städte doch sehr ähnlich. Quadratische Häuserblocks, künstlich wirkende historische Gebäude und eine eintönige Architektur lassen den Charme vermissen, den man aus europäischen Städten gewohnt ist.

Am 4. Juli 1776 wurde die Unabhängigkeit von Grossbritannien erklärt. Seitdem wird der "Independence Day" an jedem 4. Juli gefeiert und es ist offensichtlich, dass die Amerikaner sehr stolz auf ihre Unabhängigkeit sind. Die Strassen sind belebt wie an kaum einem anderen Tag und jeder wünscht einem einen "Happy 4th of July!".

Der letzte Hurrican ist folgenlos vorübergezogen und ausser warmem, strömendem Regen habe ich in Houston nicht viel davon mitbekommen. Dank der miserablen Strassenverhältnisse wird jeder Spaziergang jedoch fast zum Abenteuerlauf, da zahlreiche Gehwege knöcheltief unter Wasser stehen oder total verschlammt sind.

Vier Wochen meines Praktischen Jahres liegen nun noch vor mir und so langsam freue ich mich darauf, wieder nach Deutschland zurückzukehren und bald hoffentlich meine berufliche Laufbahn als Arzt zu beginnen.

Houston

Houston, 22.06.2010 - Die Zeit vergeht unglaublich schnell, am 26. Dezember begann meine Reise und nun ist das Ende schon in greifbarer Nähe.

Am Texas Heart Institute beginnt mein Arbeitstag jeden Morgen um sieben Uhr in dem Operationssaal, in dem ich eingeteilt bin. Neue Herzklappen und Bypässe an Herzkranzarterien oder anderen Gefässen sind die häufigsten Operationen, die am Texas Heart Institute durchgeführt werden. Da aber auch andere Fachabteilungen dort operieren, ist meine Arbeit nicht nur auf die Herz- und Gefässchirurgie beschränkt. Je nach OP-Programm endet mein Tag meist am frühen Nachmittag.

Ich war überrascht, als ich die anderen fünf (!!!) Studenten aus Düsseldorf getroffen habe, die dort ihr PJ machen. Die Welt ist tatsächlich unglaublich klein.

Houston selbst ist eine gigantische Stadt, in der leider alles sehr weit auseinander liegt. Die Busverbindungen sind mehr schlecht als recht, so dass man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr lange braucht, bis man an seinem Ziel angekommen ist. Interessanterweise bin ich meist der einzige Weisse im Bus, was mich trotz der Geschichte der USA sehr überrascht hat.

Das Miller-Outdoor-Theatre veranstaltet fast jeden Tag ein kostenloses Konzert. Beim gemütlichen Picknick auf der angrenzenden Wiese ist das Foto (rechts) entstanden.

Mein erster "Arbeitstag" in Texas

Houston, 07.06.2010 - Der erste Arzt, der mir in den USA die Hand geschüttelt hat, war Denton A. Cooley. Der heute 89-jährige Arzt hatte 1968 die erste erfolgreiche Herztransplantation in den USA durchgeführt, kurz nachdem Christiaan Barnard diese Operation in Kapstadt erstmalig weltweit durchgeführt hat.

Die rechte Hand werde ich mir in Zukunft trotzdem noch waschen müssen, und zwar nach einem besonders festgelegten Ablauf. Dieser wurde mir im Rahmen der OP-Einführung gezeigt. Weiterhin standen heute organisatorische Angelegenheiten ganz im Vordergrund und ich hatte ausreichend Gelegenheit, die riesige Klinik zu erkunden. Überrascht war ich besonders, als ich das klinikinterne Mc Donald's Restaurant entdeckt habe!!!

Auch sonst ist hier alles typisch amerikanisch: grössere Kühlschränke, grössere Portionen im Restaurant und breitere Badewannen fallen einem sofort ins Auge. Am Sonntag nach meiner Ankunft war ich in der grössten Shopping-Mall der Stadt einkaufen, war allerdings etwas enttäuscht, dass es dort keinen Supermarkt gibt.

Morgen beginnt mein erster richtiger Arbeitstag, wo ich einem der OP-Säle zugeteilt werde um bei den kardiovaskulären Operationen zu assistieren.

Grüsse aus Frankfurt

Frankfurt, 05.06.2010 - Drei Tage in Bergkamen, eine Nacht in Düsseldorf und ein Flug von Düsseldorf nach Frankfurt liegen nun hinter mir, in knapp zwei Stunden werde ich schon wieder im Flieger Richtung Houston sitzen.

Um 14 Uhr Ortszeit werde ich in Texas eintreffen und ich freue mich schon wie verrückt auf das, was mich dort erwartet.

PJ in der Schweiz - ein Rückblick

Lausanne, 29.05.2010 - Im Gegensatz zu England und Südafrika habe ich mich in der Schweiz fast wie in Deutschland gefühlt. Am wenigsten dazu beigetragen hat die Sprache, da das Schweizerdeutsch manchmal doch recht schwer zu verstehen war. Die Ausstattung der Klinik und der Arbeitsalltag waren jedoch sehr 'deutsch'.

Das Kantonsspital Laufen ist ein sehr kleines Haus. Anders als ich es von PJ'lern einer Uniklinik gehört habe, war mein Arbeitsalltag hier sehr abwechslungsreich. Mir war es möglich, ein breites Spektrum von OP's zu sehen, bei denen ich auch regelmässig in erster Assistenz assistieren durfte. Das Spektrum der Patienten erstreckte sich von viszeral- über unfallchirurgische bis hin zu gynäkologischen und HNO-Patienten.

In der Schweiz hatte ich mit Abstand die längsten Arbeitszeiten. Dienstbeginn war täglich um acht Uhr, Dienstende in der Regel nicht vor 17 Uhr. Dazu kamen dann noch Nacht- und Wochenenddienste.

Zeit zum Reisen blieb trotzdem noch, Liechtenstein und die grossen Städte der Schweiz waren meine Ziele der vergangenen Wochenenden. Dieser tagebucheintrag entstand in Lausanne, einer Stadt im französischsprachigen Teil der Schweiz.

Zwei Arbeitstage liegen nun noch vor mir, bevor es Mittwoch früh für drei Tage zurück nach Bergkamen geht. Ich freue mich schon, nach so langer Zeit wieder zu Hause zu sein! :-)

Pikettdienst

Laufen, 22.05.2010 - An jedem vierten Wochentag ab 17 Uhr und an insgesamt zwei Wochenenden habe ich Pikettdienst. Das ist ein Rufdienst, bei dem ich innerhalb von 30 Minuten zu Notfällen in die Klinik gerufen werden kann, um bei Not-Operationen zu assistieren oder sonstige Aufgaben zu übernehmen. Dieses Wochenende ist nun mein zweites Dienstwochenende meiner Zeit in Laufen.

Laufen ist übrigens die Heimatstadt von Emil Wilhelm Richterich, der 1924 eine Bäckerei kaufte und 1930 das Unternehmen Richterich & Co. Laufen gründete. Der Schweizer Kräuterzucker "Ricola" ist heute weltbekannt und einer der grössten Arbeitgeber in dieser Region.

Ganz besonders gefreut habe ich mich über den Besuch aus Deutschland: Meine Schwester kam mit Mann und Hund und auch Markus und Tobias haben sich hierher auf den Weg gemacht. :-)

Nach fast fünf Monaten im Ausland freue ich mich auch schon wieder darauf, meine Familie und Freunde wiederzusehen. Mehr als drei Tage Anfang Juni sind aber nicht drin, denn dann geht schon mein letztes grosses PJ-Abenteuer los: Houston rückt immer näher.

Schweizerdeutsch

Laufen, 28.04.2010 - "Could you please speak a bit more slowly, my english is not that good" - diese Antwort bekam ich, nachdem ich in Zürich bei Meckes eine Bestellung auf Hochdeutsch aufgegeben habe. Tatsächlich habe ich manchmal das Gefühl, besser auf englisch zu kommunizieren, weil die Sprachbarriere dann nicht so gross ist.

Ein früherer Unterassistent hat einmal Zweifel an der schweizerischen Medizin bekommen, nachdem ihn der Chefarzt bei der Visite gefragt hat, wie der Urin des Patienten denn schmecke. Hier muss man wissen, dass das schweizerische Wort für 'riechen' eben 'schmecken' ist.

Das Schweizerdeutsch ist unter anderem verwandt mit den Dialekten in Baden-Würtemberg, dem Elsass und Liechtenstein und wird in fast allen Situationen vorrangig benutzt. Innerhalb der Schweiz gibt es widerum zahlreiche Ortsdialekte, die dazu führen, dass sich selbst einige Schweizer kaum verstehen. Viele Begriffe des Schweizerdeutschen sind französischen oder italienischen Ursprungs, die Schweiz selbst besitzt vier offizielle Amtssprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch).

Nach fast drei Wochen habe ich mich gut an das Schweizerdeutsch gewöhnt, lediglich einige Fremdwörter wie 'öppis' (etwas) oder 'gsi' (gewesen) bereiten mir noch einige Probleme.

PJ in der Schweiz

Laufen, 18.04.2010 - Die erste Woche meines Chirurgie-Tertials in der Schweiz ist nun um.

Mein Arbeitstag beginnt jeden morgen um 8 Uhr mit der Frühbesprechung, anschliessend ist es die Aufgabe von Lea, der anderen Unterassistentin (So heissen die PJ'ler hier) und mir, die neuen Patienten aufzunehmen und bei den Operationen zu assistieren. Nach der Röntgenbesprechung um 16 Uhr endet mein Arbeitstag in der Regel. Etwa jeden vierten Tag habe ich Rufdienst bis zum nächsten Morgen.

An diesem Wochenende hatte ich frei, daher konnte ich Samstag nach Bern fahren, wo ich die Altstadt und das Einstein-Museum besichtigt habe. Abends ging es dann weiter nach Luzern, wo ich dank Couchsurfing eine super Übernachtungsmöglichkeit gefunden habe. Heute steht dann Luzern und der Vierwaldstätter See auf dem Plan, bevor es abends wieder zurück nach Laufen geht.

Goodbye Cape Town

Kapstadt, 09.04.2010 - Die vergangenen acht Wochen vergingen wie im Flug und morgen steht schon mein Rückflug nach Europa an. Zeit für einen Rückblick.

Die grössten Probleme des Landes sind HIV, Tuberkulose und die Kriminalität, was sich auch im Patientengut der Klinik wiederspiegelt. Es war erschreckend zu sehen, dass wegen der Armut vielen Patienten nicht oder nicht ausreichend geholfen werden kann. Oft habe ich erlebt, dass vom therapeutischen Goldstandard abgewichen wird, weil es zu teuer oder zeitaufwändig ist. In der Notaufnahme warten die Patienten teils Stunden, um von einem Arzt gesehen zu werden.

Viele Menschen in Südafrika freuen sich über ein paar Cent Trinkgelt, andere Menschen leben in riesigen Villen direkt am Meer und besitzen mehrere Autos oder Boote. In den Townships leben die Menschen in selbst zusammengezimmerten Blechhütten und besitzen fast nichts. Südafrika ist ein Land der sozialen Gegensätze.

Während meiner Zeit in Südafrika hatte ich viel Gelegenheit, Kapstadt und Umgebung zu erkunden. Die vergangenen Wochen waren eine schöne Zeit und ich kann nicht nur jedem Medizinstudenten empfehlen, in diesem Land ein paar Tage oder besser Wochen zu verbringen.

Etwas wehmütig freue ich mich nun riesig auf meine Zeit in der Schweiz.

Christiaan Barnard - Pionier der Herztransplantation

Kapstadt, 02.04.2010 - Am 3. Dezember 1967 führte der Herzchirurg Christiaan Barnard am Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt die weltweit erste Herztransplantation durch. Der schwer kranke Luis Washkansky überlebte diese Operation 18 Tage, bevor er an einer Lungenentzündung starb.

Dies war der Beginn einer neuen Ära. Weltweit wurden bis 2007 über 80.000 Herzen verpflanzt, die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt heute bei etwa 70-80 Prozent.

Als Medizinstudent wollte ich mir einen Besuch des Kapstädter Herzmuseums nicht entgehen lassen, wo man die OP-Säle der ersten Herztransplantation im Orginalzustand besichtigen kann. Sogar das alte Herz von Luis Washkansky und das Spenderherzerz der weltweit ersten Herzspenderin Denise Darvall sind dort ausgestellt.

Ich wünsche allen Lesern meines Blogs Frohe Ostern!

Eine Nacht in der Trauma-Unit

Kapstadt, 11.03.2010 - Auf meinen Wunsch durfte ich einen Nachtdienst im Front-Room der Trauma-Unit verbringen. Das ist die unfallchirurgische Notaufnahme für alle nicht vital bedrohten Patienten. Natürlich war diese Nacht nur eine Momentaufnahme, aber insgesamt ist mir aufgefallen, dass es verhältnismässig viele Verletzte durch Verkehrsunfälle gibt. Das wundert mich nicht, denn Fussgänger auf den Autobahnen sind in Kapstadt kein ungewöhnlicher Anblick.

Andere Patienten kamen an diesem Tag mit amputierten Fingern, Rückenschmerzen oder Sportverletzungen. Sehr schnell wurde mir die Versorgung von kleinen Wunden überlassen, bei grösseren Verletzungen habe ich zugeschaut.

In meiner Freizeit habe ich das in Kapstadt sehr weit verbreitete Wellen- und Windsurfing ausprobiert. Während ich beim Wellensurfen andauernd vom Brett gefallen bin, hat das Windsurfing erstaunlich gut geklappt. Ein kleiner Nervenkitzel war übrigens die Rote Flagge am Strand. Diese sagt, dass momentan kein Hai am Strand ist, der letzte aber innerhalb der letzten 60 Minuten dort gesichtet wurde.

Am kommenden Wochenende gehts's dann wieder auf eine grössere Reise, denn das Land hat unglaublich viel zu bieten! Diesmal sind die Küstenabschnitte östlich von Kapstadt das Ziel.

Südafrika

Kapstadt, 01.03.2010 - Erst einmal vorweg die gute Nachricht: Meine Zeit in England war nicht vollkommen nutzlos. Das Landesprüfungsamt wird die Bescheinigung auch ohne Unterschrift des Dekans anerkennen. Als ich das gehört habe, fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen.

Die Arbeit im Tygerberg Hospital gestaltet sich als sehr abwechslungsreich. Während ich auf der internistischen Station nicht allzu viel machen darf, kann ich mich auf der Notaufnahme vor Arbeit kaum retten. Lumbalpunktionen, Intubationen und Thoraxdrainagen sind Aufgaben, die mir dort übertragen werden. Heute Abend beginnt meine zweite Nachtschicht und ich bin gespannt, was mich alles erwartet.

Trotz der vielen Arbeit bleibt noch genügend Zeit, um das Land kennenzulernen. Am vergangenen Wochenende habe ich zusammen mit neun anderen Studenten einen Wochenendausflug in die Cedernberge unternommen. Samstag sind wir durch den Nationalpark zu einem Wasserfall gewandert, Sonntag ging es an den Strand von Langebaan.

Auf der Hinfahrt haben wir die Kehrseite des Landes hautnah miterleben können. Um nicht Opfer der Kriminalität zu werden, sollte man in der Nähe der Slums nicht anhalten. Als wir unterwegs ein verunfalltes Kind auf der Autobahn liegend vorgefunden haben, haben wir uns nach kurzer Diskussion dazu entschieden, weiterzufahren. Es waren zwar einige Menschen dort versammelt, das schlechte Gewissen jedoch bleibt.

PJ unter Palmen

Kapstadt, 17.02.2010 - Jeden Montag um 8.30 Uhr werden alle neuen Studenten nach einer kurzen Begrüßung und einer kleinen Führung durch das Tygerberg Hospital auf ihre Station gebracht. Ich bin in der Abteilung für Innere Medizin gelandet und wurde einem Team von fünf Studenten zugeteilt, welches bis zu sechs Patienten betreut.

Jeden Tag um acht Uhr wird der Verlauf auf der "ward round" mit dem Stationsarzt besprochen, anschliessend wird die Stationsarbeit erledigt. Einmal pro Woche ist mein Team on call. An diesem Tag werden alle neuen Patienten von den Studenten untersucht, dem diensthabenden Arzt vorgestellt und je nach Notwendigkeit stationär aufgenommen oder nach ambulanter Behandlung wieder nach Hause geschickt.

Fotos gibt's übrigens auf StudiVZ oder Facebook!

Goodbye Britain!

London, 13.02.2010 - Mein Englandaufenthalt ist nun zu Ende und ich sitze in der Bahn in Richtung London und verfasse einen letzten Tagebucheintrag, bevor es heute Abend nach Kapstadt geht.

Etwas wehmütig war ich ja schon, als ich zum letzten mal ein Pint auf der Oxford Road, der Studentenmeile von Manchester, getrunken habe. Das ist aber mittlerweile verflogen, denn Kapstadt ruft und dort ist es wesentlich wärmer als hier! ;-)

Ganz abgeschlossen ist mein Englandaufenthalt jedoch noch nicht, denn aufgrund krankenhausinterner Kommunikationsprobleme wurde ich nicht beim Dekanat angemeldet und erhalte daher auch keine Unterschrift des Dekans. Diese benötige ich jedoch um zur Prüfung zugelassen zu werden. Den ein oder anderen Joker habe ich noch in der Hinterhand, noch ist das Kind nicht in den Brunnen gefallen.

PJ in England - mein Resümee

Salford, 05.02.2010 - Man glaubt kaum, wie schnell die Zeit vergeht. In einer Woche schon werde ich England verlassen, um nach Südafrika zu fliegen. Zeit für ein Resümee der letzten sechs Wochen:

Ein wichtiges Ziel des Englandaufenthaltes war vor allem, mein Englisch zu verbessern. Nach nunmehr sechs Wochen habe ich kaum noch Verständigungsprobleme, lediglich einige zahnlose Patienten mit einem starken Akzent sind für mich immer noch eine echte Herausforderung.

Das zweite große Ziel war natürlich, Innere Medizin zu lernen. Bevor ich darauf eingehe, möchte ich aber noch ein paar Worte zum deutschen und britischen Medizinstudium verlieren:

In beiden Ländern beginnt das Studium mit dem zweijährigen Vorklinischen Abschnitt, dem ein dreijähriger klinischer Abschnitt folgt. Britische Studenten machen nach dem klinischen Abschnitt ihr Examen, dem eine zweijährige ärztliche Basisweiterbildung (Foundation Year) folgt. Das deutsche Pendant zum Foundation Year ist das Praktische Jahr, welches allerdings vor dem Staatsexamen absolviert wird (Warum das schriftliche Examen nicht vor dem PJ liegt, ist mir ein Rätsel! Aber das ist ein anderes heiss diskutiertes Thema.).

Da es in England kein PJ gibt und ich auch nicht als Arzt im Foundation-Year arbeiten kann, hatte ich eher einen Famulanten-Status als den eines PJ'lers. Aufgaben wurden mir kaum übertragen, Zugänge legen und arterielle Punktionen waren echte Höhepunkte!

Gelohnt hat sich die Zeit trotzdem, denn die theoretische Ausbildung war wirklich gut. Während der "Ward rounds" habe ich viele Patienten gesehen und untersucht, die Anlage von Dialyseshunts, Peritonealkathetern und Herzschrittmachern mitverfolgen können, EKG's ausgewertet und an einigen Tagen auch einen Notfallpieper bekommen. Die meisten Ärzte waren außerdem sehr bemüht, mir alles zu erklären.

The British way of Healthcare

Salford, 29.01.2010 - "Die spinnen, die Briten", das sagte einst schon Obelix. Diese Aussage ist vielleicht etwas übertrieben, dennoch gilt auch hier: Andere Länder, andere Sitten. Was also ist in englischen Krankenhäusern anders als in deutschen?

Während der Vorbereitungen ist mir schon aufgefallen, daß die britischen Ärzte keine Kittel tragen. Üblich sind Hemd und Hose, eine Krawatte darf wegen der Hygiene nicht getragen werden. Das Erkennungszeichen der britischen Ärzte ist das Stethoskop, welches fast jeden Ärztehals schmückt.

Was den Ärzten fehlt, ist in den Patientenzimmern im Überfluss vorhanden: Um die Privatsphäre bei den Untersuchungen zu gewährleisten, gibt es für jedes der vier bis zehn Betten einen Vorhang, welchen man bei Bedarf zuziehen kann. Somit ist immerhin ein gewisser Sichtschutz gewährleistet.

Der britische Ärztemangel ist vor allem in der Radiologie zu spüren: Die meisten Bilder werden von den anfordernden Ärzten selbst befundet, der radiologische Befund kann durchaus mal einige Wochen dauern.

Sehr positiv ist mir aufgefallen, daß jeder Patient ein Armband mit Namen, Geburtsdatum und wichtigen Informationen zu Allergien und Infektionen trägt. Besonders bei bewusstlosen oder dementen Patienten ist die Verwechslungsgefahr nur sehr gering.

Trotz Rauchverbots in allen britischen Pubs sind diese sehr gut besucht. Wer rauchen möchte, tut dies vor der Tür, und nicht nur die Nichtraucher freuen sich über Kleidung, die nicht nach Zigarettenqualm stinkt.

Manchester United 3 - 1 Manchester City

Manchester, 28.01.2010 - Etwas überrascht war ich ja schon, daß es in einer Stadt gleich zwei Fussballvereine der ersten Liga gibt. Wenn diese dann auch noch gegeneinander antreten, dann muss man sich das einfach anschauen. In einem Pub nahe der studentisch geprägten Oxford Road habe ich die Liveübertragung auf einer Grossleinwand verfolgt und war begeistert von der tollen Stimmung der britischen Fans, die den 3 : 1 Sieg von Manchester United gegen Manchester City feierten.

Die "Emergency Assessment Unit"

Salford, 19.01.2010 - Von der Notaufnahme werden alle internistischen Patienten zuerst auf die "Emergency Assessment Unit" verlegt. Dort verweilen sie so lange, bis die Diagnose gestellt ist, um dann von der zuständigen Fachabteilung übernommen zu werden. Im Schnitt verweilt ein Patient hier ca. 24 bis 48 Stunden. Für mich ist dies die zweite Station im "Salford Royal Hospital".

Die Wochenenden nutze ich, um berühmte britische Städte zu besuchen. Liverpool und Edinburgh waren Ziele der vergangenen zwei Wochenenden. Während Liverpool ganz im Zeichen der Beatles steht, ist Edinburgh die wahrscheinlich schönste Stadt Schottlands mit alten Gemäuern, wo es angeblich heute noch spukt. Obwohl mir keine Gespenster begegnet sind, sind beide Städte auf jeden Fall eine Reise wert!

PS: Vielen Dank für die Tipps die Wasserleitung wieder frei zu bekommen! Das Problem hat sich nach zwei Tagen von selbst gelöst, als es wieder ein wenig wärmer wurde.

Wintereinbruch

Salford, 07.01.2010 - Kurz nach dem Wintereinbruch in Deutschland hat Petrus auch in England nachgelegt. 30 cm Neuschnee legten in der Nacht auf Dienstag den öffentlichen Verkehr lahm und machten meinen Fussmarsch zum Krankenhaus zu einer eisigen Winterwanderung.
In der vergangenen Nacht zeigte das Thermometer stolze -17°C an, leider mit Folgen. Wer eine Idee hat, wie man eine vereiste Wasserleitung wieder frei bekommen kann, der darf mir gerne Tipps geben! Ein Leben ohne Toilette und fliessend Wasser ist auf Dauer ziemlich unkomfortabel.

Auf dem Bild marschiere ich Richtung Hospital, ein Fussweg von etwa 2,5 Kilometern.

Bei den "Kidney-Doctor's"

Salford, 31.12.2009 - Die erste Woche ist nun fast vorbei, da wird es Zeit für einen ersten Tagebucheintrag aus England.

Nach meiner Anreise habe ich die ersten drei Nächte im Youth-Hostel verbracht, mittlerweile wohne ich in einer Wohnung zusammen mit zwei anderen Studentinnen nahe dem Krankenhaus. Ein "Dormitory" im Hostel ist übrigens sehr gut geeignet, innerhalb kürzester Zeit möglichst viele verrückte Menschen kennenzulernen.

In dieser Woche bin ich auf der Nierenstation eingeteilt und hatte bis jetzt hauptsächlich damit zu kämpfen, überhaut erst einmal die Ärzte zu verstehen. Meine Befürchtungen, daß ich keine praktischen Aufgaben erledigen darf, wie es mir der zuständige Consultant angekündigt hatte, haben sich allerdings schon nach einer Stunde in Luft aufgelöst, als ich mit einer arterielle Blutentnahme beauftragt wurde. Insgesamt wurde ich freundlich von allen Mitarbeitern aufgenommen und fühle mich bisher sehr wohl.

Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf Silvester. Das feiere ich nämlich in London :-)

Ih wünsche euch allen einen Guten Rutsch ins neue Jahr!

Vor der Abreise wird's noch einmal lauter

Duisburg, 23.12.2009 - Bevor es am Samstag los geht, laden die Toten Hosen zum letzten "Machmalauter" Konzert in diesem Jahr ein. Weihnachtliche Rockmusik der bekanntesten Düsseldorfer Band ist zugleich mein Abschied von der Landeshauptstadt.
Mittlerweile hab ich auch ein Zimmer in Salford gefunden. Die nächsten Wochen werde ich in einer Wohngemeinschaft in Salford mit zwei anderen Studentinnen wohnen.

Die Koffer sind gepackt

Duisburg, 17.12.2009 - Die Vorbereitungen meines Auslandsaufenthaltes laufen mittlerweile auf Hochtouren. Das Kofferpacken gestaltet sich durchaus als eine logistische Herausforderung, denn einige Dinge benötige ich nur in England, manch andere nur in einem der anderen Länder. Um keinen unnötigen Ballast um die halbe Welt zu schleppen, lasse ich mir "Care-Pakete" nachschicken. Von der 30kg-Freigepäckgrenze bin ich allerdings noch Welten entfernt und muß wohl oder übel einige Sachen zu Hause lassen.

England ruft

Duisburg, 14.12.2009 - Nachdem ich eine ereignisreiche Zeit auf der Intensivstation verbracht habe, ist die letzte Woche dieses Tertials dank zahlreicher geleisteter Überstunden frei. An Erholung ist trotzdem nicht zu denken. Die Koffer müssen gepackt werden, letzte Erledigungen stehen an und ich möchte mich vor meiner Abreise natürlich auch von Freunden und Verwandten verabschieden.

Ein weiteres Problem muss auch noch gelöst werden: Ich habe bisher noch keine Unterkunft in England. Ich hoffe in den nächsten zwei Wochen ein WG-Zimmer zu finden, sonst bleibt mir nur die teure Alternative im Hostel zu wohnen.

Die zweite Säule der Anästhesie

Duisburg, 28.11.2009 - Ein Anästhesist ist mehr als nur Narkosearzt. Zu den Tätigkeitsfeldern eines Anästhesisten gehören neben der Narkosemedizin auch die Notfallmedizin, die Schmerztherapie und die Intensivmedizin.

Nach zwölf interessanten Wochen Narkosemedizin im OP werde ich den Rest des Anästhesie-Tertials auf der Intensivstation verbringen. Patienten, die nach einer Operation noch etwas überwacht werden müssen, aber auch Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen wie einer Sepsis oder lebensbedrohlichen Lungenerkrankungen werden hier behandelt. Weiterhin ist die Intensivstation für die Versorgung der Notfälle auf den anderen Stationen zuständig. Zu Fuß flitzt das Notfallteam nach der Alarmierung durch das Haus und ist innerhalb kürzester Zeit am Ort des Geschehens.

Ein ganz normaler Tag in der Anästhesie

Duisburg, 18.10.2009 - Mittlerweile sind sieben Wochen meines Anästhesie-Tertials um und es wird Zeit für einen neuen Tagebucheintrag. Thema heute: Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag im Leben eines Anästhesie-PJ'lers aus?

7.30 Uhr: Dienstbeginn auf der Intensivstation. Mittlerweile sind die Chef- und Oberärzte der Anästhesie und der Chirurgie eingetrudelt und die Patienten werden vorgestellt. Einige Patienten sind mir bereits bekannt, da sie schon seit längerer Zeit dort liegen, es gibt aber auch einige Neuaufnahmen. Bei allen wird der Krankheitsverlauf und das weitere Vorgehen besprochen.

7.54 Uhr: Die Visite ist beendet und ich gehe in den OP. Ich kann frei wählen, was ich dort mache und so schaue ich mir die OP-Pläne an, bevor ich mich für einen Saal entscheide. Heute scheint der unfallchirurgische Saal recht interessant zu sein.

7.59 Uhr: Ich assistiere dem Anästhesieten bei der Einleitung der ersten Patientin, bei der eine Schraube aus dem Knöchel entfert werden soll.

8.20 Uhr: Die OP beginnt, ich bin für die Aufrechterhaltung der Narkose zuständig. In solchen Situationen erscheint die Anästhesie manchmal recht eintönig.

8.55 Uhr: Die Schraube ist raus und die Patientin darf wieder aufwachen. Ich drehe die Narkosegaszufuhr ab und warte, bis die Patientin ausreichend atmet und genügend Schutzreflexe hat. Nun kann ich den Tubus herausziehen und verabreiche ihr etwas Sauerstoff.

9.01 Uhr: Die Patientin wird nun in den Aufwachraum verlegt. Dort wird sie noch überwacht, bis sie vollständig wach ist. Ich werde vom Anästhesisten gelobt, so macht die Arbeit Spaß. :-)

9.17 Uhr: Ich begrüße den nächsten Patienten, überprüfe die Patientenidentität, Operation und die Laborwerte, es ist alles in Ordnung. Ein gebrochener Unterarm soll operiert werden. Das Monitoring wird angeschlossen, ich lege einen venösen Zugang. Nun leite ich die Narkose ein, der Anästhesist steht mir dabei zur Seite. Die Einleitung gelingt problemlos und die OP kann beginnen.

10.34 Uhr: Der Patient ist nun wohlbehalten dem Aufwachraum übergeben worden und ich mache jetzt meine Frühstückspause.

10.51 Uhr: Ein handchirurgischer Patient bekommt eine Regionalanästhesie. Hier wird lediglich das Schmerzempfinden am operierten Arm ausgeschaltet. Ich erkläre dem Patienten, was gerade gemacht wird. Während der Operation bekommt er ein Medikament zur Beruhigung.

14.26 Uhr: Eine Not-Operation wurde angemeldet. Ein Patient mit einer Oberschenkel-Hals-Fraktur muß heute noch operiert werden. Da er recht viel Blut verloren hat, müssen bei der Blutbank vier Erythrozytenkonzentrate bestellt werden. Diese bekommt er aber erst dann, wenn es unbedingt erforderlich ist. Da er nicht nüchtern ist, wird eine Crush-Intubation durchgeführt, das heißt, es wird nach Gabe der Narkosemedikamente schnellstmöglich intubiert, um eine Aspiration von Mageninhalt zu vermeiden.

14.37 Uhr: Die Operation beginnt. Der weitere Verlauf ist unauffällig und es müssen keine Erythrozytenkonzentrate gegeben werden.

16.23 Uhr: Die Operation ist beendet. Ich habe nun Feierabend und freue mich schon auf den nächsten Tag im OP.

Regionalanästhesie oder Vollnarkose?

Duisburg, 16.09.2009 - Obwohl eine Vollnarkose fast immer sehr gut vertragen wird, kann alternativ eine Regionalanästhesie, also die Betäubung einzelner Körperpartien, durchgeführt werden. Derartige Anästhesieverfahren haben den Vorteil, daß der Patient sofort nach der Operation wach ist, hohe Schmerzmittelgaben während der Operation nicht erforderlich sind und die (wenn auch seltenen) Gefahren einer Vollnarkose gemindert werden können.
Die Periduralanästhesie ist ein Vertreter der Regionalanästhesie. Hier wird das Betäubungsmittel in den Fettgewebsraum, der das Rückenmark umgibt, injiziert. Anhand eines Trainingsmodells konnte ich diese Technik üben.

Die ersten drei Monate meines Anästhesie-Tertials werde ich voraussichtlich im OP verbringen und anästhesiologische Techniken wie die Intubation, die Anlage von Infusionskanülen sowie die Überwachung einer Narkose erlernen. Anschließend folgt ein Monat Intensivmedizin.

Mein erster Arbeitstag im Bethesda-Klinikum Duisburg

Duisburg, 01.09.2009 - Nach sechs Wochen Semesterferien hat am 31.08.2009 der erste Teil meines Praktischen Jahres begonnen. Der PJ-Beauftragte begrüßte insgesamt sechs neue PJ-Studenten und verteilte uns auf die verschiedenen Abteilungen. Freundliche Ärzte begrüßten uns auf einem Rundgang durch das Haus, in der Kleiderkammer erhielten wir unsere Kittel, Schlüssel wurden bestellt und ein Dienstausweis beantragt. Kurz nach zehn Uhr waren auch die letzten Fragen beantwortet und der erste Arbeitstag ging zu Ende.

Warum werden zwei verschiedene Narkosegase im OP verwendet und warum ist Lachgas out? Ist ein Blutdruck von 80/50 mmHg während einer OP normal oder sollte schleunigst etwas getan werden? Was für mich am zweiten Tag noch Neuland war, wird in den nächsten vier Monaten hoffentlich zur Routine. Eins weiß ich aber jetzt schon: Auch wenn Anästhesisten manchmal geduldig sein müssen, einen langweiligen Job haben sie ganz bestimmt nicht!

Die Wahlfach-Klinik

Düsseldorf, 12.08.2009 - Heute fand die Anmeldung für das Praktische Jahr statt. Ich habe mich für das Bethesda-Klinikum Duisburg entschieden, da diese Klinik einen guten Ruf unter PJ'lern genießt und recht gut erreichbar ist. Das Gehalt spielte bei der Entscheidung keine Rolle, da die Uniklinik Düsseldorf ihren Lehrkrankenhäusern eine Vergütung von mehr als 200 Euro pro Monat untersagt hat.

Ein erster Besuch in England

Düsseldorf, 29.07.2009 - Am 27.07.2009 hatte ich einen Termin zur arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung im Royal Hope Hospital Salford. Meinen Besuch in Salford nutzte ich auch, um mich mit meinem zuständigen Consultant über mein Praktikum zu unterhalten.
In der verbliebenen Freizeit schaute ich mir Manchester an, trank ein Bier im 'Temple of Convenience', einer zu einem Pub umgebauten ehemaligen öffentlichen Toilette und rempelte nahezu jeden zweiten Fußgänger in Manchester an. Das lag aber wohl weniger am 'Fosters', sondern daran, daß dort jeder Fußgänger links geht und ich als 'Continental' nunmal instinktiv rechts.
Insgesamt war es ein schöner, leider auch etwas verregneter Besuch in Manchester.

Fünf Nationen in einem Jahr

Düsseldorf, 22.07.2009 - Ende August 2009 beginnt für mich mit dem Wahlfach 'Anästhesie' das Praktische Jahr (PJ) meines Medizinstudiums. Ende Dezember geht die Reise los: England, Südafrika, Schweiz und die USA sind Ziele, die ich in den folgenden acht Monaten ansteuern werde. Auf dieser Seite möchte ich euch von meinem Abenteuer berichten. Wer mag kann sich auch in den Newsletter eintragen.

Ich habe mich für die Anästhesie als Wahlfach entschieden. Das lag zum einen daran, daß mein späterer Berufswunsch die Chirurgie ist und man Chirurgie nicht als Wahlfach belegen kann (ist ja schon ein Hauptfach). Zum anderen habe ich einige potentielle Wunschfächer in Famulaturen kennengelernt und konnte mich für keines der Fächer begeistern. Es blieb nur noch die Anästhesie, in der ich mir das Erlernen wichtiger Fertigkeiten für die ärztliche Tätigkeit erhoffe.

Am 31.08.2009 beginnt das erste Tertial meines Praktischen Jahres. 16 Wochen lang wird es meine Aufgabe sein, Menschen schlafen zu lassen und das Leben schwer kranker Patienten zu retten.


© Felix Hoffmann 2009 538 Besucher seit dem 22.07.2009 Letzte Änderung: 20.12.2009